Von Steißlingen nach Dettingen (DeTour.2021.7)

Bodensee-Hinterland bei Langenrain - © Christoph Bücheler | MonacoTrail (alle Fotos)

Siebte Etappe auf dem Querweg, vom Hegau an den Bodensee ins Hinterland von Konstanz. Heute mit und ohne Mücken, einem Golfplatz-Intermezzo und anderen Aus- und Einblicken.

Diese letzte Etappe des Querwegs ist eine knappe Zusammenfassung der zurückliegenden Route: Höhen mit Aussicht, lange Waldpassagen, wilde Schluchten. Schmale Pfade folgen auf langatmigere Abschnitte in Siedlungen und auf Straßen, alles dabei, in munterem Wechsel. Und zum Schluss der See!

Nach einem kurzen Abstecher zum gut erhaltenen Wehrkirchhof der St. Remigius-Kirche verlassen wir Steißlingen und steigen zur weiten Anhöhe bei den Weilerhöfen hinauf. Potentiell toller Alpenblick dort, heute können wir immerhin Säntis und Churfirsten ausmachen und auch die Eiskappe des Tödi glänzt ein wenig aus dem Dunst. Von den Mauern der Homburg hinterm Schlosshof ließe sich das Panorama bei Föhn sicher umfassend genießen. Von dort geht es auf dem Waldpfad steil bergab nach Stahringen. Bis Güttingen folgt ein Abschnitt an und auf Straßen, mäßig inspirierend, man kriegt nur gezeigt, wie Menschen am See so leben heutzutage.

Ab Möggingen wird es dann wieder eine richtig schöne Route. Den Auftakt macht der gut gepflegte "Radolfzeller Streuobst Sortengarten", schöner Blick von dort über Dorf und die Sumpf- und Seenlandschaft um den Mindelsee. Naturnahe Kulturlandschaft mit Magerwiesen am oberen Hang und einem schönen Pfad. Wie zu erwarten, werden Mücken jetzt ein Thema. Bei einer kurzen Rast am Dürrenhof (Rosenstüble) mit kühler Erfrischung aus dem Getränkeautomaten legen wir dann doch erstmals Zitroneneukalyptusöl auf. Auf der längeren Waldpassage bis Langenrain forcieren wir das Tempo spürbar, stehenbleiben muss nicht sein. Nach einem schönen Wegstück am Waldrand hoch über dem Ufer des Überlinger Sees erreichen wir den Golfplatz des Golfclubs Konstanz.

Golfplatz-Intermezzo, mückenfrei

Weil der Weg durch die Marienschlucht wg. Erdrutsches seit längerem gesperrt ist, wurde eine Alternativroute durch den Golfplatz angelegt, eine interessante Bereicherung. Man rühmt sich hier "optimale Bedingungen für den Golfsport mit einen größtmöglichen Schutz der Natur zu verbinden" und hat sich passenderweise mit einem selbstgebackenen Naturschutzlabel des Golfverbands geschmückt - dabei hapert es schon an der Grammatik. Die Beschaffenheit der Anlage an sich und die enge Verzahnung der Bahnen mit "Waldfingern" ist auch durchaus gelungen. Aber war da nicht was? Beim Gang durch den Platz merken wir schnell, dass so gut wie keine Mücken mehr unterwegs sind (Das gilt m.E. auch für den anschließenden Friedwald). Später erfahren wir, dass der Golfclub so ziemlich die einzige Liegenschaft im Landkreis ist, auf der Insektizide gegen Mücken verspritzt werden dürfen, Sondererlaubnis sozusagen. "Wir fördern Artenvielfalt" steht an der Zufahrt: Fakenews. Greenwashing. Dennoch fragen wir nach einem Sitzplatz auf der Caféterrasse und bekommen ihn auch noch in der ersten Reihe des Seeblicks. Die übrigen Gäste stört's offenbar nicht, der Oberkellner ist sehr kurz angebunden.

Die ausgeschilderte Route führt auf Forstwegen aus dem Golfplatz hinaus. Wir probieren eine Alternative durch den Friedwald, schönere Wege. Nah am Seeufer treffen wir so auf die alte Querwegroute durch die Katharinenschlucht. Auch dort ist der ufernahe Weg gesperrt, nach einer schönen Bachquerung werden wir auf die Standardroute geleitet. Der Querweg ist hier weitgehend deckungsgleich mit dem neueren Premiumweg "SeeGang" um den Überlinger See: der hat das Premiumlabel verdient. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Uferlinie im tiefen Schatten der überhängenden Buchen und schauen hinüber nach Überlingen. Mission erfüllt, am Bodensee angekommen!

Am See!

Eine Weile geht es auf dem schönen Waldpfad noch am Ufer entlang, dann zügig hinauf auf die Höhe beim Burghof. Wir verlassen den Wald und wandern das letzte Stück nach Dettingen auf Feldweg und an der Straße entlang. Morgen ist Ruhetag und die allerletzte Etappe absolvieren wir mit dem Stadtbus nach Konstanz, die Gegend kennen wir schon. Stadt und Uferpromenade sind, wie fast immer, rappelvoll, was uns nach den letzten, eher stillen Tagen fast etwas überfordert. Ungerührt und stolz wacht die Imperia, auch schon fast wie immer, über die Hafeneinfahrt. In diesen Tagen würde man sich wünschen, Konstanz könnte eine Kopie nach Kabul schicken - den Rest male ich mir aus.

Der Querweg ist gegangen, in den nächsten Tagen soll es noch eine eher spontane Fortsetzung geben. 

 

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