Von Himmelreich nach Titisee (DeTour.2021.2)

Im Laubbrunnendobel - © Christoph Bücheler | MonacoTrail (alle Fotos)

Zweite Etappe auf dem Querweg, durchs Höllental hinauf in den Hochschwarzwald. Bis kurz vor Hinterzarten eine meist einsame, mit Aussichten garnierte Waldwanderung, dann wechselndes Gelände im Umfeld touristischer Einrichtungen.

Wir beginnen die Tour wieder mit einer eigenen Wegevariante, von der wir zunächst nicht sicher sind, ob sie funktioniert. Nach ein paar Metern entlang der B31 nach Süden zweigt beim Zähringerhof ein Weg ab, der in den Frauensteig übergeht. Der Weg erreicht am Pfaffeneck den Querweg, doch es ist nicht ganz klar, ob ein kurzes Zwischenstück im steilen Gelände der Geishalde begehbar ist, auch weil der Boden nass ist. Das sei ein alter Jägersteig, er wisse nicht, ob es den noch gäbe, meint jemand, der sich als ortskundig bezeichnet. Komoot weist einen Fußpfad der Schwierigkeit T1 (also ganz einfach) aus, in der (vermutlich älteren) Wanderkarte ist er nicht als Wanderweg markiert. Werden wir also auf einem rutschigen Brennesselsteig enden, den irgendein übereifriger OSM-Kartierer aufgenommen hat? Immerhin gibt es eine, wenn auch längere, Umgehungsmöglichkeit.

Alles blinder Alarm und der Pfad hinauf zum Pfaffeneck ist durchgehend markiert, gut begehbar mit angenehmer Steigung und ein besonders schönes Wegstück durch den schwarzwaldtypischen Tannen-Buchen-Wald - vermutlich schöner zu gehen als die Hauptroute des Querwegs. Ein wirklich gelungener Einstieg in den Tag! - Bis zum Rösslehof und darüberhinaus folgt ein wenig Wirtschaftsweg, bald ergeben sich schöne Ausblicke zurück ins Dreisamtal bis Freiburg - Rückblick auf die gestrige Route.

Zeitreise in den Hochschwarzwald

Bis zum Posthaldefelsen und weiter zum Piketfelsen verläuft der Weg wieder meist als schmaler, wunderbarer Pfad am Hang entlang, hoch über dem Höllental. Verschiedenste Waldbilder und ein paar botanische Überraschungen, die Fingerhutblüte neigt sich allerdings schon dem Ende zu. Das Dauerrauschen der B31 ist eigentlich ein ständiger Begleiter heute, aber von hier oben blicken wir, fast schon mit einer gewissen Herablassung, auf die Raumkapseln tief unten im engen Tal.

Hochmut kommt vor dem - Regen. Der setzt beim Abstieg zur Ravennaschlucht ein und intensiviert sich dann rasch. Keine Raumkapsel für uns, nur Hut, Jacke, Schirm. Vom Birklehof, einem vermutlich elitären Internat, führt eigentlich ein schöner Fußweg nach Hinterzarten hinein, doch wg. zu viel Nässe keine Bilder. In Hinterzarten sitzen wir den Regen im Café aus - und lauschen dem Rauschen. Entgegen der Prognose bleibt es dann aber für den Rest des Weges nach Titisee trocken, so wird belohnt, dass wir doch nicht in den Zug gestiegen sind für das letzte Stück.

In Hinterzarten begegnet uns dann erstmals so richtig ein weiterer interessanter Aspekt des Querwegs: der Weg ist auch eine Zeitreise in die Geschichte des Schwarzwaldtourismus. Dessen Anfänge (ca. 1760) reichen mindestens so weit zurück wie die des Alpentourismus, seit dem 19. Jh. bis ins späte 20. Jh. boomte er so richtig. Hinterzarten und Titisee gehören hier seit jeher zu den Topadressen, wenn auch etwas in die Jahre gekommen. Denn zwischendurch wurde der Schwarzwald eher langweilig oder auch zu "schlicht" als Reiseziel. Derzeit erfindet sich der Tourismus dort an vielen Orten neu und die "Waldwildnis" lockt wieder Biker und Wanderer.

Der Weg hinüber nach Titisee ist allerdings allenfalls mittelmäßig, fast nur Wirtschaftswege oder Straßen. Wir umgehen die Kesslerhöhe mit den Skisprungschanzen, steigen dann über eine sehr verschlammte Viehweide ab (beim Bankenhansenhof), in deren näherem Umfeld sich interessanterweise keinerlei der sonst reichlich vorhandenen Wegemarkierungen mehr finden. Da kennt sich jemand mit GPS-Navigation noch gar nicht aus...

Vor dem Titisee streifen wir zwei ausgedehnte Campingplätze mit richtig Betrieb, dann gehen wir am Seeufer entlang in den Ort und betrachten immer wieder die Hotelkulisse dieser alten Sommerfrische. Auf dem doch recht kleinen See macht ein kleiner Ausflugsdampfer seine Seerundfahrt, eine Lautsprecherstimme erzählt ununterbrochen Geschichten: wovon die handeln mögen?

Die kleine Promenade in Titisee ist belebt, auch wenn die Attraktionen überschaubar sind. Durchaus eindrucksvolle alte Hotels säumen den Weg. Wir aber steuern wieder den Bahnhof an. Gibt es einen besseren Hub für Wanderer als ein Hotel im umgebauten alten Bahnhof, mit direkter Zuganbindung gefühlt alle paar Minuten? Bereits vor dem Ersten Weltkrieg verkehrten hier am Wochenende mehr Züge als werktags - ob das wiederkommt?
In den neuen klimatisierten Zimmern trocknen unsere nassen Sachen schnell. Das ist eben genau so ein jüngerer touristischer Ansatz, der in die Zeit passt, egal, ob es einem letztlich gefällt oder nicht. Da sehen die alten Kästen unten am See mit ihren fetten Limousinen davor auf einmal wirklich alt und vergangen aus. So hat uns Titisee ein klein wenig überrascht.

 

 

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