Im Val Bavona kommen wir uns vor, als seien wir in einem riesigen Freilichtmuseum unterwegs. Malerisch verteilte kleine Dörfer ("terre") liegen wie Steinhaufen inmitten dunkelgrüner Kastanienwälder, die den Talboden weich auskleiden, dahinter ragen zu beiden Seiten Felswände auf: hoch, steil, glatt, nahezu unzugänglich - es ist eines der engsten, tiefst eingeschnittenen Täler der Alpen.

Wildromantisch und pittoresk erscheint uns Val Bavona heute, vermittelt starke Bilder einer scheinbar intakten Landschaft, wo Relikte traditioneller bäuerlicher Kultur inmitten einer wild anmutenden Naturlandschaft nahezu unverändert erhalten geblieben sind. Früher war das Leben der Bauern so entbehrungsreich und hart, dass eine dauerhafte Besiedlung nie recht erfolgreich war und letztlich wieder aufgegeben wurde.

Felsstürze gossen einst Massen von teils riesigen Blöcken und Schutt mitten ins Tal, die meisten Halden sind vom Wald überwachsen und der Wanderpfad schlängelt sich durch ein schier endloses Felsenlabyrinth. Um besonders große Felsblöcke herum, angebaut, aufgesetzt, hingeduckt in ihrem Schutz, sind die Siedlungen entstanden, kauern sich die Steinhäuser eng zusammen. Für Ställe, Keller, einfache Behausungen für Hirten wurden Hohlräume unter den Blöcken genutzt (sog. "splüi"). Zur Oberseite führen schmale Treppen hinauf, um die kleinen Wiesenstücke, die sich dort angesiedelt hatten, mähen zu können ("prati pensili") oder Gemüsegärten anzulegen. Jede noch so kleine Wiesenfläche wurde zur Heugewinnung gemäht, bis hinein in die klammartigen Seitentäler, wo schmale ausgesetzte Treppensteige selbst winzige Felsterrassen für die Mahd erschlossen, heute noch zugänglich für schwindelfreie und trittsichere Berggänger.

Heute sind die Rustici beliebte Ferienhäuser und der Weg durchs Tal ist ein alle Sinne erfüllender Spaziergang. Dazu gehört die Einkehr im "La Froda" in Foroglio, auf halber Strecke und nahe beim gleichnamigen Wasserfall gelegen. Es gibt, neben dem lauschigen Ambiente, vorzügliche Pizzoccheri und andere Gerichte aus der traditionellen Küche der Tessiner Berge. In Cavergno erreichen wir Valle Maggia, erste Palmen künden vom Süden.

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Weitere Informationen zur Kulturgeschichte: Fondazione Valle Bavona