Das Kirchenzentrum war auf der grünen Wiese entstanden, in einem Stadterweiterungsgebiet der 50er und 60er Jahre. Es gab viel "freien Raum", die Schäferwiese war nebenan und das Leben war wenig städtisch geprägt. Heute ist es eine Gegend der Nachverdichtung, vorstädtisch noch, aber mit urbanerem Publikum und Lebensverhältnissen.
Unpassender Luxus nun, die Außenräume nur als Verkehrsfläche zu nutzen. In der Gemeinde bestand das Bedürfnis, sie als Begegnungsräume zu erschließen. Von zentraler Bedeutung der Pfarrhof, eine rechteckige Hoffläche zwischen Kirche, Kloster und Pfarrsaal. Eine Verkehrsbrache mit verwildertem Gehölzbestand am Rand sollte zu einem Ort der Begegnung und des Verweilens umgestaltet werden. In Zeiten, in denen für öffentlichen Außenraum kaum noch Gelder verfügbar sind, konnte dies nur durch großzügige Spenden von vielen Gemeindemitgliedern, die in einer "Aktion Pfarrhof" aktiv geworden waren, erreicht werden.
Mit der Umgestaltung erhielt der Pfarrhof ein ruhiges und zeitloses Gesicht. Er soll künftig seine Funktion als Oase und Begegnungsraum im Gemeindeleben möglichst zwanglos erfüllen können. Deshalb wurden nur wenige aber sehr prägende Gestaltungselemente verwendet, die jeweils quasi typisch für eine Funktion oder eine Aufenthaltsqualität stehen:
Die offene, unverstellte Platzfläche gibt Raum für verschiedenste Aktivitäten, wie Spiele, Feste, Konzerte usw. Der mit hellem Kies abgestreute Gussasphalt ist ein zugleich freundlicher und strapazierfähiger Belag. Alle Eingänge zu Kirche und Gemeinderäumen wurden barrierefrei umgebaut. Eine Sitzmauer am Rand fasst den Raum und bietet die Möglichkeit zu ruhen, zu rasten, sich zusammenzusetzen.
Kleinkronige Linden spenden Schatten und zeigen den Gang der Jahreszeiten an: hellgrüner Austrieb im Frühjahr, dunkles Laub und duftende Blüten im Sommer, leuchtend gelbe Herbstfärbung, dunkles kahles Geäst im Winter.

Buchshecken säumen den Hof an beiden Längsseiten. Buchs ist eine traditionelle Kirchhofpflanze in ganz Europa. Er steht als immergrüne Pflanze symbolisch für das ewige Leben aber auch für Lebenskraft, Ausdauer und Beharrungsvermögen. Eine Pflanze, die die widrigsten Lebensbedingungen immer wieder überwinden kann. Als geschnittene Hecke symbolisiert Buchs aber auch die vom Menschen gezähmte und als Garten in Form gebrachte Natur, die der Schöpfer dem Menschen anvertraut hat.
Ein Brombeergebüsch bedeckt eine seitliche Böschung Die Brombeere symbolisiert die freie und ungezähmte Natur und ihre wilde Kraft. Zugleich ist auch sie eine Gartenpflanze und spendet reichlich wohlschmeckende Früchte. Sie ist ein schönes Sinnbild dafür, wie der Mensch sich die Natur zu Nutze machen kann, ohne sie vollständig unterwerfen zu müssen. Verweist also ebenso wie der Buchs auf den Garten Eden, in dem der Mensch im Einklang mit der Natur, der gesamten Schöpfung leben kann.
Bauherr: Erzbischöfliches Ordinariat München-Freising
Entwurf, Ausführungsplanung, Ausschreibung, Objektüberwachung:
C. Bücheler, Landschaftsarchitekt, München
Zeitraum: Planung 2003 - 2005, Realisierung 2006
Größe: 2.700 m2